Empörung ist richtig – aber sie kommt reichlich spät
Mit Erstaunen verfolge ich die heutige parteiübergreifende Empörung über die Ergebnisse des Untersuchungsberichts zur Solothurner Spitäler AG.

Ja, die Missstände sind gravierend. Ja, sie verlangen Konsequenzen. Und ja, ich begrüsse ausdrücklich, dass nun alle Parteien von Führungsversagen, mangelhafter Aufsicht und strukturellen Problemen sprechen. Doch genau diese Entschlossenheit hätte ich mir bereits vor Jahren gewünscht. Seit meinem Einzug in den Kantonsrat im Jahr 2017 habe ich mich innerhalb der SVP konsequent mit den Entwicklungen rund um die soH auseinandergesetzt. Als Mitglied und spätere Vizepräsidentin der Sozial- und Gesundheitskommission sowie als Ausschusspräsidentin des Globalbudgets Gesundheit habe ich unzählige Stunden in Recherchen, Vorstösse und parlamentarische Arbeit investiert. Allein im Jahr 2024 stammen sieben der neun parlamentarischen Vorstösse zur soH aus meiner Feder.
Statt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Inhalten musste ich mir immer wieder anhören, ich würde übertreiben, mich verrennen, einen persönlichen Feldzug gegen die soH oder deren damalige Führung führen oder endlich Ruhe geben. Heute bestätigt ein unabhängiger Untersuchungsbericht zahlreiche Fragen, die ich seit Jahren gestellt habe. Ich empfinde darüber keine Genugtuung. Lieber hätte ich mich geirrt. Doch wer heute lautstark Konsequenzen fordert, sollte auch den Mut haben, selbstkritisch zu hinterfragen, weshalb kritische Stimmen über Jahre hinweg relativiert oder ausgebremst wurden. Parlamentarische Kontrolle ist keine Störung. Sie ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Demokratie.
Stephanie Ritschard
Kantonsrätin SVP Kanton Solothurn
