Die Angstkampagne der Gegner
Heute lag schon wieder eine Kampagnen-E-Mail von economiesuisse in meinem Postfach.

Noch genau eine Woche bis zur Abstimmung.
Heute lag eine Kampagnen-E-Mail von economiesuisse in meinem Postfach.
Japan als Warnsignal.
Weniger Wohlstand.
Ausgestorbene Dörfer.
Der schleichende Niedergang der Schweiz.
Praktisch wird der Schweizer Bevölkerung erklärt, dass ein Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative unser Land auf diesen Weg führen würde.
Ich frage mich ernsthaft: Warum wird eine sachliche Diskussion über die Belastungsgrenzen unseres kleinen Landes plötzlich mit solchen Schreckensszenarien geführt?
Warum dürfen Bürgerinnen und Bürger nicht die berechtigte Frage stellen, wie viel Wachstum die Schweiz langfristig überhaupt verkraftet?
Und weshalb werden diejenigen, die sich Sorgen um Wohnungsknappheit, steigende Mieten, überfüllte Züge, Staus, den Verlust von Kulturland und den zunehmenden Druck auf unser Gesundheitswesen machen, indirekt als Gefahr für unseren Wohlstand dargestellt?
Eine noch viel wichtigere Frage bleibt unbeantwortet:
Wenn immer mehr Zuwanderung automatisch mehr Wohlstand schaffen würde, weshalb kämpfen wir dann trotz Rekordzuwanderung genau mit diesen Problemen?
Weshalb explodieren die Mieten?
Weshalb fehlen Wohnungen?
Weshalb geraten Verkehr und Infrastruktur an ihre Grenzen?
Und weshalb spüren immer mehr Menschen, dass unser Land an seine Belastungsgrenzen kommt?
Vielleicht geht es am 14. Juni gar nicht um ein Ja oder Nein zur Zuwanderung. Vielleicht geht es um die viel grundlegendere Frage, ob Wachstum auch Grenzen kennt und ob unser Land die Kraft haben soll, seine Entwicklung selbst zu steuern.
Ich finde diese Frage weder radikal noch extrem. Ich finde sie vernünftig.
Und ich finde es bemerkenswert, dass ausgerechnet jene Kreise, die seit Jahren von einem immer grösseren Arbeitskräfteangebot profitieren, der Bevölkerung nun erklären wollen, dass eine Begrenzung des Wachstums den Anfang vom Ende der Schweiz bedeute.
Da darf man sich durchaus fragen, ob hier die Interessen unseres Landes oder in erster Linie die Interessen jener vertreten werden, die seit Jahren von einem immer grösseren Arbeitskräfteangebot profitieren.
Ich traue den Schweizerinnen und Schweizern zu, diese Frage selbst zu beantworten.
Am 14. Juni entscheiden nicht Lobbyverbände.
Nicht economiesuisse.
Nicht Kampagnenstrategen.
Sondern wir Bürgerinnen und Bürger.
Und vielleicht ist genau das, was manchen mehr Sorgen bereitet als eine Schweiz mit weniger als zehn Millionen Einwohnern.
Ich jedenfalls entscheide mich aus Überzeugung für eine Schweiz mit Augenmass, Verantwortung und Weitsicht.
Darum stimme ich am 14. Juni JA zur Nachhaltigkeitsinitiative.
Stephanie Ritschard, Kantonsrätin
